Freulers Rückkehr

Perikles Monioudis

Ein Toter und die Frage, wer ist der Täter. Diese beiden Elemente kennzeichnen jeden roman policier. Die Differenz zwischen den romans policiers liegt jeweils im Plot, weit mehr noch aber im Milieu, das geschildert wird. Dies demonstriert auch der Glarner Perikles Monioudis. Sein Krimi Freulers Rückkehr lebt von der profunden Heimatkenntnis des Autors. Er führt den Leser wie einen Fremden durch den Kanton Glarus und lässt nebenher den Kommissar Freuler, der nach langem Auslandaufenthalt seine Heimat neu kennenlernen muss, einen Mordfall lösen. In dessen Banalität liegt das Geheimnis.

Perikles Monioudis kennt seine Glarner Heimat, aus der er vor Jahren nach Berlin weggezogen ist. Mit dem Untersuchungsrichter Freuler, auch er ein Auswanderer, kehrt er nun ins Tal zurück.

Verborgene Spiele

von Beat Mazenauer

Publiziert am 09/09/2005

Hanspeter Freuler ist ein erfolgreicher Jurist. Er hat in Washington gearbeitet und zuletzt auch in Brüssel. Auf seine alten Tage hin ist er nun nach Glarus zurückgekehrt. Sein Schulfreund Schümperli hat ihn für das Amt des Untersuchungsrichter gewinnen können. Doch Freuler erhält kaum Zeit, sich wieder an «Beggeli», Landsgemeinde und andere Glarner Spezialitäten zu gewöhnen. Hinten im Lintthal wird der Industrielle Heinrich Voser tot aufgefunden.
Die Untersuchung am Tatort scheint auf Selbstmord hinzudeuten. Seit sich Voser in einer alten Villa aufs gut gepolsterte Altenteil setzte, machte er kaum viel Aufhebens von sich. Er hielt sich still, derweil sein Sohn meist in London pokerte und viel Geld verlor, und die Tochter erfolgreich im Unternehmen zum Rechten schaute. Nur wenige Menschen, allen voran der Jäger Hämmerli, pflegten regelmässigen Kontakt mit ihm. Ein paar Vereine durften aber auf seine groszügige Gönnerschaft zählen.
Gerade dieses diskrete und unspektakuläre Beziehungsnetz erregt den Argwohn Freulers. Ist der Präsident des Jagdvereins etwa scharf auf Vosers Pachtgebiet? Und was hat der Lokaljournalist mit der Tochter zu schaffen? Freuler ist gewarnt, er will sich nicht durch Kumpanei von seinem Verdacht ablenken und dem Fall auf den Grund gehen, unterstützt vom Gerichtsschreiber Stüssy.
Sucht einer nach einem Verdacht, sind in seinen Augen bald alle verdächtig. «So fremd wie das Bekannte kann das Unbekannte nie werden», zitiert Monioudis als Motto die Dichterin Ilse Aichinger. Freuler scheint dies zu wissen, und geht mit entsprechender Vorsicht an den Fall heran. Er traut den vorschnellen Erklärungen nicht – doch liegt er damit richtig?
Der Einstieg in seinen Kriminalroman ist Perikles Monioudis nicht restlos geglückt. Die Geschichte kommt nur langsam in Gang. Etwas gar ausgeprägt wird sie durch die beflissene Aufzählung glarnerischer Eigenheiten und Sehenswürdigkeiten aufgelockert. 
Der Roman gewinnt erst an Dynamik und an erzählerischer Stringenz, als das Netz der Verdachtsmomente allmählich dichter wird und allerhand Täter ein mögliches Tatmotiv haben könnten. Die Einsamkeit im Glarner Hinterland wählte Heinrich Voser einigermassen zufällig, die Umgebung war ihm zuvor nicht vertraut. Umso leichter könnte sein Geld die Gier eines Einheimischen geweckt haben.
Vosers Hauptsorge galt seinen beiden Kindern. Er sah, wie Thomas sein Leben als Spieler vertat, zu anderem Tun war dieser völlig ungeeignet. Weshalb verunfallt er? Und die tatkräftige Veronika hat ihm sein Unternehmen früher als ihm lieb war aus den Händen genommen und mit Erfolg weiter geführt. Stand er ihr im Weg?
Am Ende löst Freuler den Fall, auf eine Weise, die von Monioudis raffiniert und klug eingefädelt wird. So bleibt sein Roman trotz anfänglicher Stockungen als rätselhaftes Buch in guter Erinnerung.